Zahlungsverkehr: Betrug mit gefälschten Unterschriften weiter ein ernstes Problem
[BERLIN / BÖBLINGEN] - 22. Mai 2010: Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière und der Vorsitzende der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder, Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus, stellten am 18. Mai in Berlin die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamts (BKA) für das Jahr 2009 vor. Für das Jahr 2009 wurden 20.915 Fälle von Konto- und Überweisungsbetrug gemeldet. Die Fallzahl stieg damit im Vergleich zu 2008 (16.039) um über 30 Prozent. Überweisungsträger mit gefälschten Unterschriften sind nach wie vor ein häufiges, sehr ernst zu nehmendes Problem im beleghaften Zahlungsverkehr von Kreditinstituten. Einige Institute setzen Lösungen zur Prävention zum Teil bereits seit Jahren erfolgreich ein.
- Für das Jahr 2009 verzeichnet die PKS in der Kategorie Konto- und Überweisungsbetrug 20.915 gemeldete Fälle und damit einen neuen Rekord. Bisher lag der Höchstwert für diese Form von Vermögens- und Fälschungsdelikten bei 18.116 Fällen in 2007.
- Die Aufklärungsquote blieb 2009 konstant auf dem Niveau von 69,2 Prozent.
- Seit dem Jahr 2007 wurden bislang vom BKA keine Gesamtschadenssummen für den Bereich des Konto- und Überweisungsbetruges veröffentlicht. Die im Mai 2007 veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik 2006 bezifferte die Schadenssumme der bekannt gewordenen Schäden auf insgesamt 35.510.921 Euro. Von den 13.297 bekannt gewordenen Fällen in 2006 zählten 2.589 Fälle bei Einzelschäden im Bereich zwischen 500 und 2.500 Euro.
Das Thema Überweisungsbetrug ist Dauergast in den Medien
In den letzten zwölf Monaten publizierten die Medien bisher unter anderem Fälle aus Berlin, Mühleim an der Ruhr, Worms, Rosenheim und Würzburg. Die Vorgehensweise der Täter ist häufig identisch: In großem Maße werden Überweisungsträger aus den Briefkästen der Institute gefischt. Im Anschluss werden einerseits diese Überweisungsträger manipuliert und ein neuer Empfänger eingetragen, andererseits werden auf neuen Überweisungsträgern die Unterschriften nachgeahmt.
- Die Mainpost berichtete am 1. Februar 2010 über einen groß angelegten Betrugsversuch eines 39-jährigen aus dem Raum Kitzingen, der mehrere hundertausend Euro ergaunert haben soll. Über die Betrugsmethode schreibt die Mainpost unter anderem: "Die Auswertung der Spuren zeigte, dass ein damals noch Unbekannter die von den Bankkunden ausgefüllten Überweisungsformulare aus den Außenbriefkästen der Geldinstitute geangelt hatte. Die darauf befindlichen Daten nutzte er, um einen Geldtransfer vom Konto der Geschädigten auf Bankkonten anzustoßen, auf die er Zugriff hatte. Dazu stellte er mit Hilfe einer Schreibmaschine neue Überweisungsträger her, auf denen er schließlich noch die Unterschrift der geprellten Kontoinhaber fälschte."
- Die Abendzeitung berichtete am 20. November 2009 über fünf Männer im Alter von 36 bis 62 Jahren, die gemeinsam durch Überweisungsbetrug einen Schaden von 210.000 Euro verursacht haben sollen.
- Die Online-Enzyklopädie Wikipedia listet unter dem Stichwort "Überweisungsbetrug" recht ausführlich die diversen Aspekte.
Aussitzen löst das Problem nicht
"Überweisungsbetrug wird oft noch viel zu leicht gemacht", so Alain Sarraf, technischer Leiter beim weltweit führenden Spezialisten für die Betrugserkennung im beleghaften Zahlungsverkehr, dem Böblinger Softwarehaus Softpro. Bisher hoffte so mancher Verantwortliche im Zahlungsverkehr dass es seine Bank "schon nicht treffen werde". Ein kaum kalkulierbares Risiko, wie die jüngsten Fälle erneut zeigen.
Den Tätern komme, laut Sarraf, entgegen, dass in vielen Instituten die Unterschrift auf einem Überweisungsbeleg gar nicht oder erst bei vergleichsweise hohen Summen geprüft wird. Ein Grund dafür liegt an der hohen Anzahl der Überweisungen, die bei den Instituten eintreffen: allein die Sparkassen-Finanzgruppe erhält im Jahr rund Hunderte von Millionen an Papierbelegen - eine kaum zu überblickende Zahl. Zunehmend mehr Kreditinstitute setzen auf die Hilfe von Software für die Belegprüfung und einen automatischen Vergleich von Unterschriften. Auch die Rechenzentren der Finanzwirtschaft haben die strategische Bedeutung dieses Themas erkannt und fordern ihre Mitgliedsinstitute auf derartige Verfahren einzusetzen.
Ohne Software können längst nicht alle Belege geprüft werden
In den USA ist der "Scheckberg" und seine Folgen noch viel dramatischer: Rund 28 Milliarden Schecks wurden 2007 in den Vereinigten Staaten ausgestellt. Durch Scheckbetrug verlieren die Institute dort jedes Jahr Milliarden von Dollar, mit steigender Tendenz. Auch in Großbritannien oder Frankreich wird mit Schecks viel betrogen. Das Risiko ist für Betrüger noch verhältnismäßig gering und die vergleichsweise milden Strafen in den meisten Ländern haben keine abschreckende Wirkung.
Im Vergleich mit diesen Zahlen erscheinen die rund eine Milliarde Überweisungen und Schecks, die nach Schätzungen 2009 in Deutschland ausgestellt wurden, gering. Doch für das einzelne Institut ist damit ein enormer Aufwand, Zeit und Kosten verbunden. Mehr als die Hälfte der Belege hat die Sparkassen-Finanzgruppe zu bearbeiten. Mangelnde Kapazitäten und die hohe Anzahl an Belegen erklären, warum Überweisungsformulare unterhalb bestimmter Beträge oft nicht geprüft werden. Erst die volle Automatisierung der Unterschriftenprüfung macht dies möglich.
Unterschriften-Prüfung ist Teil der Sorgfaltspflicht der Kreditinstitute
Generell gilt, dass die Prüfung der Unterschrift auf Zahlungsbelegen einen Teil der Sorgfaltspflicht der Bank im Geschäftsverkehr mit ihren Kunden darstellt. In Deutschland sind Kreditinstitute verpflichtet, Fälschungen so gut es geht auszuschalten, und Auszüge zu kontrollieren. Das jüngste Urteil hierzu stammt vom Oberlandesgericht Koblenz: In einem Urteil vom 26.11.2009 (AZ: 2 U 116/09) kommt das Gericht zu dem Schluss, dass die Bank das Risiko eines gefälschten Überweisungsauftrages zu tragen habe. Die Überweisung wurde mutmaßlich aus dem Briefkasten einer Bankfiliale herausgefischt und gefälscht. Das Landgericht Koblenz hatte die Klage der Bankkundin zuvor abgewiesen. Revision ließ das OLG nicht mehr zu. Das OLG Koblenz schloss sich somit der Argumentation aus Urteilen des OLG Schleswig (AZ: 5 U 69/93) und des AG Frankfurt (AZ: 30 C 58/97-24) an.
Dennoch werden bisher relativ wenige Unterschriften auf Überweisungsträgern automatisch verglichen. Eine Vorbildfunktion nimmt die Sparkassen-Finanzgruppe ein. So hält das Rechenzentrum der Sparkassen in Deutschland - die Finanz Informatik - ein zentrales automatisches Unterschriftenprüfsystem vor, welches Mandanten des Zahlungsverkehrszentrums zur Nutzung zur Verfügung steht. Mandantenfähige Unterschriftenprüfsysteme stehen beispielsweise bei der Landesbank Berlin und deren Tochter Berliner Sparkasse sowie in Nürnberg bei der Transactio stehen zur Verfügung.
Eine kluge Investition, denn auch nach Ansicht des BGH tragen die Institute das Risiko, sofern sie die Unterschrift nicht prüfen (AZ: XI ZR 117/96 und AZ: XI ZR 325/00). In der benachbarten Schweiz wird übrigens schon länger nahezu flächendeckend ein automatischer Vergleich vorgenommen.
Der Überweisungsbeleg stirbt so schnell nicht aus
Überweisungsbelege werden auch in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle im Zahlungsverkehr spielen. Das Online-Banking wird nicht im von den Kreditinstituten gewünschten Maße akzeptiert. Auch wenn das elektronische Banking deutlich billiger ist, bevorzugen viele Kunden den Überweisungsträger. Neben der Bequemlichkeit spielen auch Ängste vor dem Missbrauch von Online-Transaktionen eine Rolle. Diverse Investitionen im Bereich des beleghaften Zahlungsverkehrs machen auch deutlich: Die Kreditinstitute rechnen fest damit dass sie in naher Zukunft noch viele papierbasierte Überweisungsbelege erhalten werden.
- Die Sparkasse Fürth legte im Juni 2009 ihre Automaten, an denen Kunden ihre Überweisungen elektronisch übermitteln konnten, still. Nach einem Bericht in der Fürther Zeitung bilanziert die Sparkasse nach zehn Jahren Automaten-Einsatz, dass die Automaten zu teuer und wartungsintensiv seien und zu selten genutzt werden. Der Kunde hat nun die Wahl wieder einen Überweisungsbeleg zu nutzen oder Online-Banking zu betreiben.
- Einige Kreditinstitute setzen bewusst auf den Kundenkontakt am Schalter bei der Überweisungsabgabe. Sie verbuchen die höheren Kosten für den beleghaften Zahlungsverkehr eher unter Marketingaufwendungen, schließlich bleibe man so im Kontakt und erfahre, was der Kunde brauche.
- Andere Kreditinstitute reagieren auf den Betrug mit manipulierten Überweisungsträgern durch die Ausrüstung der Geschäftsstellen mit neuen Briefkästen. Sogenannte "Doppel-Briefkästen" sollen das Herausfischen von Belegen nahezu unmöglich zu machen.
Brüchiges Vertrauen in Online-Banking
Das Vertrauen in Online-Banking ist brüchig und zahlreiche Berichte in den Medien über Sicherheitslücken sind nicht dazu angetan neue Nutzer für das elektronische Banking zu begeistern. Potentielle Nutzer tun sich schwer mit der Einschätzung möglicher Risiken.
- Das derzeit von den meisten Online-Banken verwendete Verfahren mit indizierter Transaktionsnummer bietet nach Auffasung von Experten keinen hinreichenden Schutz vor ernsthaften Angriffen durch Computerbetrüger.
- Die registrierte Computerkriminalität stieg 2009 nach Angaben in der Polizeilichen Kriminalstatistik bei den Fallzahlen über das Ausspähen und Abfangen um satte 48,7 Prozent auf 11.491 Fälle.
Täglich weltweit über 30 Millionen automatisch geprüfte Unterschriften
Softpro hat sich seit 1998 ausschließlich der softwarebasierten Prüfung von Unterschriften gewidmet. Ein eigener Bereich beschäftigt sich explizit mit Lösungen zur Betrugsprävention. Bei einer der großen amerikanischen Banken werden heute Unterschriften auf bis zu 15 Millionen Schecks pro Tag automatisch mit denen in einer Referenzdatenbank verglichen. Die erste Version der vollständig softwarebasierten Prüfung kam bereits 1994 bei der Credit Suisse zum Einsatz. Mittlerweile trifft man die Produktfamilie unter den Namen SignPlus oder FraudOne unter anderem auch in Australien, Brasilien, Großbritannien, Malaysia, Südafrika, Trinidad oder Zypern an.
Seitdem wurde die Lösung kontinuierlich weiter entwickelt, um den immer komplexer werdenden Ansprüchen stand zu halten. Sie basiert auf Erkenntnissen von Schriftsachverständigen. Bei Unterschriften auf Papier werden die statischen Bildmerkmale analysiert: dazu zählen Kreuzungen, Abzweigungen, Schleifen und Bogenformen. Diese Elemente werden gefiltert, kalkuliert und gewichtet. Beim Vergleich von Unterschriften wird ein Ähnlichkeitsgrad ermittelt. Liegt dieser innerhalb eines gewissen Toleranzrahmens, lassen sich die verglichenen Unterschriften folglich demselben Unterzeichner zuordnen. Derzeit werden täglich weltweit über 30 Millionen Schecks und Überweisungen mit dieser Technik geprüft, ein Großteil davon in den Vereinigten Staaten. Alain Sarraf, CTO der Softpro Gruppe: "Der Informationsbedarf bei den Instituten ist außerordentlich hoch, zum Teil hat man lange versucht das Thema auszusitzen. Betrug im Zahlungsverkehr ist ein weltweites und recht komplexes Problem. Unser Beratungsteam ist weltweit derzeit gefragter denn je. Der wirtschaftliche Abschwung in 2009 sorgte für zusätzliche Hochkonjunktur bei Betrugsversuchen."Tipps für mehr Sicherheit bei Überweisungen
Verbrauchern rät Sarraf, ihre Bankdaten stets vertraulich zu behandeln, sie also zum Beispiel nicht auf Postkarten zu schreiben, wie es im Versandhandel üblich ist. Belege wie Kontoauszüge sollten vor dem Wegwerfen stets zerrissen werden. Unter Betrügern besonders beliebt sind die Papierkörbe neben Kontoauszugsdruckern - dort finden sich häufig vertrauliche Informationen. Lastschriftbelege von der EC-Karten-Zahlung, auf der auch die Unterschrift sichtbar ist- quasi als Fälschungsvorlage - sollten daher ebenso gründlich vernichtet werden. Es ist ratsam, Kontoauszüge genau und in kurzen Zeitabständen zu überprüfen und Auffälligkeiten unverzüglich dem Geldinstitut mitzuteilen. Einen ganz persönlichen Tipp hat Sarraf auch noch parat: Je ausführlicher und individueller man unterschreibt, desto schwerer macht man es einem Betrüger. Sarraf: "Bei Unterschriften auf Papier prüft unsere Software wie ein Gremium von Schriftsachverständigen. Untersucht wird dabei das Ergebnis eines typischerweise unreflektierten motorisch-kognitiven Prozesses - des Unterschreibens. Deshalb gilt hier: lieber eine individuelle Sauklaue als eine leicht nachahmbare Unterschrift in Schönschrift."
Automatische Unterschriftenprüfung live
Softpro zeigt seine komplette Lösungspalette unter anderem auf folgenden Fachmessen: Ciab Febraban in São Paulo, am Stand des Partners Disoft vom 9. bis 11. Juni; World Islamic Banking Connference in Singapur vom 14. bis 15. Juni; Finance Forum in Zürich vom 3. bis 4. November und FI Forum in Frankfurt/Main vom 16. bis 18. November
