"Zur Räumung fremder Konten genügten den 'Plusminus'-Redakteuren Bankleitzahl, Name und Kontonummer. Betrügerische Überweisungen von mehr als 1.500 Euro wurden von den betroffenen Instituten problemlos ausgeführt, obwohl die Belege nicht die Originalunterschrift trugen", berichtete der Hessische Rundfunk.
Nach Angaben der Plusminus-Redaktion machen die laxen Sicherheitsvorkehrungen der Kreditinstitute den Ermittlungsbehörden zunehmend zu schaffen. Allein in Frankfurt seien die Betrugsfälle mit gefälschten Überweisungen von 2002 auf 2003 um über 250 Prozent gestiegen, in Düsseldorf sogar um über 500 Prozent auf mehr als 1.600 Fälle.
Schon seit Mitte der neunziger Jahre ist der Betrug mit Überweisungen Dauergast in den Medien. Anno 1995 sah Focus "Freie Fahrt für Kontenknacker" und der Spiegel titelte 1998 "Besser als Bankraub". Neben Plusminus führten seitdem auch WISO (ZDF) und der ARD-Ratgeber Technik vergleichbare Stichproben mit ähnlichen Resultaten durch. In Deutschland wurden 2003 1,6 Milliarden beleghafte Transaktionen verarbeitet, der grösste Teil davon sind Überweisungen. Vielfach glauben die Institute das Risiko unter Kontrolle zu haben - bis es eben auch sie einmal erwischt. Der Vergleich zum Autofahren ohne Sicherheitsgurt liegt nahe.
Sowohl gewerbliche wie auch private Kunden der Institute können Opfer der lückenhaften Prüfung werden. Verbraucherschtzer raten dringend zur sorgfältigen Prüfung der Kontoauszüge. Die Prüfung der Unterschrift auf Zahlungsbelegen ist eigentlich Teil der Sorgfaltspflicht von Kreditinstituten im Geschäftsverkehr mit ihren Kunden. In Deutschland tragen die Institute das Risiko gefälschter Belege, sofern sie deren Unterschrift nicht prüfen (BGH, AZ: XI ZR 117/96). Aus Sicht der Juristen müssen alle Zahlungsbelege auf die Unterschrift geprüft werden (AG Frankfurt, AZ: 30 C 58/97-24).
Sicherheitsbewusste Institute setzen längst auf den Einsatz einer automatischen Prüfung der Unterschrift. Sowohl einige private Banken wie auch eine Reihe von Sparkassen und Genossenschaftsbanken nutzen dafür entsprechende Software. Bereits vor zehn Jahren begann in der Schweiz eine Grossbank ein derartiges System einzusetzen. Gemeinsam mit IBM und dem lokalen Partner App Informatik nahm die Böblinger Softwarefirma Softpro damals das erste System zur automatischen Prüfung eigenhändiger Unterschriften namens "SignPlus" in Betrieb. Mittlerweile zählt das Unternehmen mit diesem System über 200 Kunden auf vier Kontinenten zu seinen Anwendern.
Das Modul "SignCheck" analysiert Unterschriften dabei genau so, wie ein hochspezialisiertes Team von Schriften-Experten. Deren Erfahrungen flossen in die Software mit ein. 60 unterschiedliche primäre und 500 sekundäre statische Merkmale von Unterschriften werden erfasst, gewichtet und in Parametervektoren zusammengefasst. Nach deren Berechnung wird durch ein neuronales Netzwerk ein Ähnlichkeitsgrad der Unterschrift mit der Referenz-Unterschrift ermittelt. Dabei werden beim Vergleich die üblichen Schwankungen in den Ausprägungen der Merkmale berücksichtigt.
Die Anwender in Kreditinstituten können sich somit auf die Bearbeitung von zurückgewiesenen Zweifelsfällen konzentrieren. Die Automatisierung der Prüfung erlaubt ausserdem die Senkung der Prüfgrenzen. Für die automatische Weiterverarbeitung können abhängig vom Betrag unterschiedliche Prüfschärfen definiert werden. Diese Justierung kann entsprechend sich verändernder Sicherheitsanforderungen täglich angepasst werden.
Betrugsdelikte mit Überweisungen und Schecks sind ein weltweites Phänomen.
So gewann die Software von Softpro unlängst einen von US-Grossbanken finanzierten Test bei der FSTC, die den Einsatz der Technik in USA vorbereitet. Die American Bankers Association schätzt den jährlichen Schaden durch Scheckbetrug in den Vereinigten Staaten auf über eine Milliarde Dollar.
